Zytotoxizitätsprüfung: Nachweis der Sicherheit von Medizinprodukten auf zellulärer Ebene

Der erste und wichtigste Schritt bei der Biokompatibilitätsbewertung von Medizinprodukten ist die Feststellung, ob das Gerät eine toxische Wirkung auf Zellen hat. Zytotoxizitätstest bestimmt, ob ein Medizinprodukt oder Material auf zellulärer Ebene sicher ist, indem seine Auswirkungen auf die Lebensfähigkeit der Zelle, die Proliferationskapazität und die Zellmorphologie bewertet werden. Dieser Test wird in Übereinstimmung mit dem ISO 10993-5 Standard und stellt einen der Eckpfeiler der Biokompatibilitätsbewertung dar. Unser Labor führt Zytotoxizitätstests durch in vitro Verwendung von Methoden wie MTT, NRU und XTT sowie direkte Kontakt- und Agar-Overlay-Techniken nach GLP- und GMP-Prinzipien.

Wissenschaftliche Grundlagen und Bedeutung des Zytotoxizitätstests

Zytotoxizität bezieht sich auf die Gesamtheit der toxischen Wirkungen, die eine Substanz oder ein Material auf Zellen ausübt. Diese Effekte können sich als Zelltod (Nekrose oder Apoptose), Zellmembranschäden, verminderte metabolische Aktivität, Arrest der Zellproliferation und morphologische Veränderungen manifestieren. Der Zytotoxizitätstest ermöglicht die quantitative oder qualitative Messung dieser Effekte in vitroDer wichtigste Vorteil des Tests besteht darin, dass er keinen Einsatz von Tieren erfordert und schnelle, kostengünstige und reproduzierbare Ergebnisse liefert.

Der Zytotoxizitätstest gilt als erster Schritt der Biokompatibilitätsbewertung. Wenn ein Gerät zytotoxisch ist, sind weitere Tests (Sensibilisierung, Reizung, Implantation) im Allgemeinen unnötig; da Zytotoxizität ein Beweis dafür ist, dass das Gerät auf zellulärer Ebene ernsthafte Unverträglichkeiten aufweist. Daher ist der Zytotoxizitätstest ein kritischer Screeningtest sowohl für die Patientensicherheit als auch für die effiziente Nutzung der Ressourcen des Herstellers.

Die Ergebnisse der Zytotoxizitätsprüfungen werden direkt bei der Erstellung des Biokompatibilitätsdossiers des Produkts, in behördlichen Anträgen (EU MDR 2017/745, FDA 510(k), ISO 10993-1) und bei der Sicherheitsbewertung des Produkts vor der klinischen Verwendung verwendet. Darüber hinaus wird die Bewertung des zytotoxischen Potenzials von Rohstoffen, Additiven, Entformungsmitteln und Sterilisationsrückständen, die im Herstellungsprozess des Geräts verwendet werden, als Indikator für die Produktionsqualität angesehen.

Anwendungsbereich und Prüfverfahren der Norm ISO 10993-5

ISO 10993-5 ist der international anerkannte Grundstandard für die in vitro Bewertung der Zytotoxizität von Medizinprodukten. Diese Norm sieht die Bewertung zytotoxischer Wirkungen vor, indem aus dem Produkt oder dem Produktmaterial selbst gewonnene Extrakte direkt auf Zellkulturen aufgebracht werden. Im Rahmen der Norm werden drei grundlegende Testansätze definiert: die Extraktionsmethode, die Direktkontaktmethode und die Agar-Overlay-Methode (Agar-Diffusion).

Extraktionsmethode die Anwendung von Extrakten, die aus dem Gerät gemäß ISO 10993-12 hergestellt wurden, auf Zellkulturen. Diese Methode ist ideal, um das zytotoxische Potenzial der löslichen Komponenten des Geräts zu bewerten. Extrakte werden unter Verwendung von polaren (serumhaltigen Medium) und unpolaren (pflanzlichen Öl) Lösungsmitteln hergestellt; so werden sowohl wasserlösliche als auch lipophile Komponenten bewertet. Extraktionstemperaturen und -dauern werden bestimmt, um das klinische Nutzungsszenario des Geräts widerzuspiegeln.

Die direkte Kontaktmethode das Einbringen des Gerätematerials direkt auf die Zellkultur. Diese Methode eignet sich besonders für feste Geräte und Oberflächenmaterialien, da sie direkt die Auswirkungen aus dem physischen Kontakt des Geräts mit den Zellen bewertet. Das Testmaterial wird auf die Zellmonoschicht gelegt und die Zellviabilität und Morphologie nach einer bestimmten Inkubationszeit bewertet. Die direkte Kontaktmethode ist wertvoll für die Bewertung der Oberflächeneigenschaften des Geräts und lokaler Effekte im Kontaktbereich.

Die Agar-Overlay-Methode (Agar-Diffusion) durch Gießen einer Agarschicht auf eine Zellkultur und Auflegen des Gerätematerials auf diese Schicht erfolgt. Dieses Verfahren ermöglicht es löslichen Substanzen, die aus dem Gerät freigesetzt werden, durch die Agarschicht zu diffundieren und die Zellen zu erreichen. Agar-Overlay eignet sich besonders für Geräte mit unregelmäßigen Oberflächen oder solchen, die Partikel enthalten; es verhindert auch mechanische Schäden, die durch direkten physischen Kontakt zwischen dem Gerät und den Zellen entstehen könnten.

Cell Viability Messmethoden: MTT, NRU und XTT

Zur Messung der Zellviabilität in Zytotoxizitätsassays werden verschiedene kolorimetrische Methoden verwendet. Diese Methoden bestimmen indirekt die Anzahl lebender Zellen durch Messung der zellulären Stoffwechselaktivität oder der Membranintegrität. Die drei am häufigsten verwendeten Methoden sind MTT, NRU und XTT.

Der MTT-Test basiert auf dem Prinzip, dass MTT Tetrazoliumsalz (3-(4,5-Dimethylthiazol-2-yl)-2,5-diphenyltetrazoliumbromid) durch mitochondriale Dehydrogenaseenzyme in Zellen zu purpurfarbenen Formazankristallen reduziert wird. Die in lebenden Zellen hergestellten Formazankristalle werden in einem geeigneten Lösungsmittel (DMSO oder Isopropanol) gelöst und spektralphotometrisch vermessen. Der Extinktionswert ist direkt proportional zur Anzahl der lebenden Zellen. Der MTT-Assay ist eine schnelle, wirtschaftliche und weit verbreitete Methode.

NRU-Test (Neutral Red Uptake) basiert auf der Fähigkeit von lebenden Zellen, den neutralen roten Farbstoff in ihren Lysosomen zu akkumulieren. Lebende Zellen nehmen aktiv neutrales Rot auf und speichern es in ihren Lysosomen; tote Zellen können diesen Farbstoff jedoch nicht aufnehmen. Der Farbstoff wird mit einer sauren Alkohollösung extrahiert und spektralphotometrisch vermessen. Der NRU-Assay wird speziell zur Beurteilung der Membranintegrität und der lysosomalen Funktion verwendet; er kann im Vergleich zum MTT-Assay stabilere Ergebnisse liefern.

XTT-Assay basiert auf dem Prinzip der Reduktion von XTT (2,3-Bis-(2-methoxy-4-nitro-5-sulfophenyl)-2H-tetrazolium-5-carboxaanilid), einem ähnlichen Tetrazoliumsalz wie im MTT-Assay, durch Zellen. Der wichtigste Vorteil von XTT ist, dass es ein wasserlösliches Formazanprodukt bildet; daher ist der im MTT-Assay erforderliche Auflösungsschritt nicht erforderlich. Der XTT-Assay ist schneller und erfordert weniger Schritte; er zeigt auch eine geringere Zytotoxizität im Vergleich zum MTT-Assay.

In der nachstehenden Tabelle sind die nach ISO 10993-5 angewandten Testmethoden und Methoden zur Messung der Zellviabilität zusammengefasst.

ISO 10993-5 Zytotoxizitätstestmethoden und Techniken zur Messung der Zellviabilität
PrüfmethodeVerfahrenGeeignete GerätetypenBewertung
ExtraktionAnwendung von aus dem Gerät gewonnenen Extrakten auf ZellenAlle Gerätetypen (fest, flüssig, Gel, Pulver)Messung der Zellviabilität mit MTT, NRU oder XTT
DirektkontaktPlatzieren des Gerätematerials direkt auf die ZellmonoschichtFestkörper, Oberflächenmaterialien, FilmeMorphologische Bewertung und Messung der Zellviabilität
AgarüberlagerungAnordnung des Gerätematerials auf einer AgarschichtGeräte mit unregelmäßigen Oberflächen, Materialien, die Partikel enthaltenDiffusionszone und morphologische Bewertung
MTTMessung der Aktivität der mitochondrialen DehydrogenaseAlle ZellkulturtestsSpektralphotometrische Messung von Formazankristallen
NRUMessung der lysosomalen neutralen RotaufnahmeAlle ZellkulturtestsSpektralphotometrische Messung des neutralen roten Farbstoffs
XTTTetrazoliumreduktion (wasserlösliches Formazan)Alle ZellkulturtestsSpektralphotometrische Messung der Formazanlösung

Bewertung und Klassifizierung der Zytotoxizitätsergebnisse

Die Ergebnisse der Zytotoxizitätsprüfung werden nach den in ISO 10993-5 definierten Kriterien bewertet. Die prozentuale Zellviabilität wird im Vergleich zur Negativkontrolle berechnet. Die allgemein anerkannte Klassifizierung ist wie folgt: Wenn die Zellviabilität über 70 Prozent liegt, gilt das Material als "nicht zytotoxisch". Wenn die Zellviabilität zwischen 50 und 70 Prozent liegt, wird das Material als "leicht zytotoxisch" eingestuft; In diesem Fall können zusätzliche Tests oder Optimierungen erforderlich sein. Wenn die Zellviabilität unter 50 Prozent liegt, wird das Material als "signifikant zytotoxisch" eingestuft und es wird der Schluss gezogen, dass das Gerät nicht für den klinischen Einsatz geeignet ist.

Morphologische Auswertung ist eine wichtige Ergänzung zu numerischen Messungen. Form, Größe, zytoplasmatische Granulierung, Membranintegrität und interzelluläre Verbindungen der Zellen werden unter dem Mikroskop ausgewertet. Beispielsweise sind Zellverrundung, zytoplasmatische Retraktion, Vakuolisierung und Ablösung der Zellschicht morphologische Indikatoren für die Zytotoxizität. Diese Beobachtungen werden in Verbindung mit quantitativen Daten interpretiert, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Die Ergebnisse der Zytotoxizitätsprüfungen sind ein wichtiger Bestandteil des Biokompatibilitätsberichts, der in der behördlichen Vorlage des Produkts verwendet werden soll. Wenn das Gerät nicht zytotoxisch ist, können weitere Biokompatibilitätstests durchgeführt werden (Sensibilisierung, Reizung, Implantation). Wenn das Gerät zytotoxisch ist, muss der Hersteller die Materialzusammensetzung, den Produktionsprozess oder die Sterilisationsmethode überprüfen. In diesem Fall berät unser Labor den Hersteller wissenschaftlich über alternative Materialien, Beschichtungen oder Dekontaminationsschritte.

Durchführung von Zytotoxizitätstests in unserem Labor

In unserem GLP- und GMP-zertifizierten Labor führen wir Zytotoxizitätstests gemäß ISO 10993-5 unter vollständiger Einhaltung internationaler Standards durch. Unser Testprozess beginnt mit einer umfassenden vorläufigen Bewertung. Die Materialzusammensetzung, der Herstellungsprozess, die Sterilisationsmethode und das klinische Nutzungsszenario des Geräts werden detailliert untersucht. Auf der Grundlage dieser Informationen werden die am besten geeignete Testmethode (Extraktion, direkter Kontakt oder Agar-Overlay) und das Verfahren zur Messung der Zellviabilität (MTT, NRU oder XTT) bestimmt.

Der Extraktionsprozess wird gemäß ISO 10993-12 durchgeführt. Unter Verwendung spezifischer Volumina von polaren (serumhaltigen Kulturmedium) und unpolaren (pflanzlichen Ölen) Lösungsmitteln pro Oberfläche oder Masseeinheit des Geräts wird die Extraktion bei Temperaturen und für Dauern durchgeführt, die der klinischen Verwendung entsprechen. Polare und unpolare Extrakte werden separat getestet. Zellkulturen werden unter Verwendung international anerkannter Zelllinien (L-929 Mausfibroblasten, BALB/3T3, V79 oder menschliche Hautfibroblasten) hergestellt. Die Zellen werden unter geeigneten Kulturmedium und Inkubationsbedingungen (37°C, 5% CO2) vermehrt.

Nachdem das Testmaterial oder der Extrakt auf die Zellen aufgetragen wurde, wird es für einen bestimmten Zeitraum (normalerweise 24-72 Stunden) inkubiert. Am Ende der Inkubation wird die Zellviabilität mit dem MTT-, NRU- oder XTT-Assay gemessen. Die Ergebnisse werden interpretiert, indem sie mit negativen und positiven Kontrollen verglichen werden. Als Negativkontrolle wird Polyethylen hoher Dichte (HDPE) oder hochreines Glas verwendet, während als Positivkontrolle Lösungen verwendet werden, die Organozinn (Dibutylzinndilaurat) oder Phenol enthalten. Diese Kontrollen sind für die Überprüfung der Empfindlichkeit des Testsystems von entscheidender Bedeutung.

Einer der wichtigsten Vorteile unseres Labors ist, dass wir maßgeschneiderte Teststrategien für verschiedene Gerätetypen anbieten. Für Flüssiggeräte (Gele, Cremes, Lösungen) wird eine direkte Anwendung verwendet; für feste Geräte wird direkter Kontakt oder Extraktion verwendet; für Materialien, die Partikel enthalten, wird eine Agarauflage verwendet; und für Geräte mit unregelmäßigen Oberflächen werden modifizierte Extraktionsprotokolle verwendet. Diese Flexibilität stellt sicher, dass die einzigartigen Eigenschaften jedes Geräts richtig bewertet werden.

Test results are presented in a comprehensive test report format compliant with ISO 10993-5. The report includes sections on the test method, cell line, extraction conditions, cell viability data, morphological observations, statistical analyses, and interpretation. Our reports meet the requirements of the EU MDR (2017/745), FDA 510(k), ISO 10993-1, and other regulatory frameworks.

Häufig Gestellte Fragen

One of the most common questions we receive regarding cytotoxicity testing is which test method is suitable for which device. The choice depends on the device’s physical form and clinical usage scenario. For liquid and gel-based devices, extraction or direct application may be appropriate; for solid devices, direct contact or extraction; and for materials containing particles, agar overlay may be suitable. Our laboratory evaluates the characteristics of your device to recommend the most appropriate method.

The difference between MTT, NRU, and XTT assays is also frequently asked. MTT measures mitochondrial activity and requires the dissolution of formazan crystals. NRU assesses lysosomal function and provides information on membrane integrity. XTT, on the other hand, is faster and requires fewer steps because it produces a water-soluble formazan product. The choice of method depends on the device’s characteristics and the laboratory’s preference; however, all methods are validated and internationally recognized.

Regarding the test duration, the total time—including cell culture preparation, extraction, incubation, and measurement steps—is generally 2–4 weeks. Including reporting and quality assurance reviews, this period may extend to 4–6 weeks. As for which devices are subject to cytotoxicity testing, the answer is that, in accordance with ISO 10993-1, a cytotoxicity assessment is mandatory for all medical devices that come into contact with the skin, mucous membranes, blood, or tissue. This is the first and most fundamental step in biocompatibility assessment.

Finally, there is often curiosity about what should be done if a device is found to be “cytotoxic” as a result of cytotoxicity testing. In this case, the manufacturer must review the material composition, the manufacturing process (mold release agents, solvents, additives), and the sterilization method. Our laboratory offers advanced analytical methods—such as extraction fractionation, chemical analysis, and alternative material testing—to identify the source of the problem. The goal is to ensure the device’s safety and compliance with regulatory requirements.

A cytotoxicity test provides scientific evidence of your medical device’s safety at the cellular level. A rigorous cytotoxicity study conducted in accordance with ISO 10993-5:2009 forms the foundation of your device’s biocompatibility profile and represents the first critical step in the regulatory approval process. Our laboratory evaluates your device’s cellular compatibility to the highest scientific standards using MTT, NRU, and XTT methods, as well as direct contact and agar overlay techniques. To be your trusted partner on your medical device’s biocompatibility journey, contact us.

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